Michael Horstmann tourt mit seinem Team durch Berlin
Sightjogging
Tourismus im Laufschritt
Wer im Weihnachts-Urlaub das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden möchte, ist mit einem Besichtigungslauf gut aufgehoben. Immer mehr Städte bieten ihren Touristen einen moderierten Lauf an, um die Stadt zu erkunden.
Wolfgang Platzek ist Verwaltungsbeamter in Regensburg. Seit 20 Jahren macht er Stadtführungen. Seit rund zehn Jahren läuft er jeden Tag und bestreitet drei Marathons im Jahr. Nach einem Urlaub in Rom hatte er die Idee, Stadtführung und Laufen zusammenzubringen. "Dabei geht einem das Herz auf", sagt Platzek über die Kombination Bewegung–Kultur.
Das Angebot der Regensburg Tourismus GmbH nehmen auch einheimische Läufer wahr, die ihre Stadt besser kennenlernen wollen. Oder um sich auf den Regensburg-Marathon vorzubereiten. Auch kleinere Lauftreffs organisieren Ausflüge dorthin, um die Stadt in der Oberpfalz zu erlaufen. "Eine Uni-Fußball-Gruppe aus den USA habe ich auch schon betreut", sagt Platzek.
Neben Regensburg bieten unter anderem Freiburg, Berlin, Hamburg, Frankfurt, Münster, Augsburg, Esslingen, Lüneburg und Mainz Besichtigungsläufe an. Der Vorreiter ist Hamburg: Seit 2001 können Interessierte die Hansestadt mit einem lockeren Lauf erkunden. Gösta Dreise, der seit 1991 an fast allen Hamburg-Marathons teilgenommen hat, organisiert die Touren.
Kurzzeiturlauber, Geschäftsreisende und sportinteressierte Hamburger sind seine Hauptzielgruppen. Dreise will seinen Kunden mehr zeigen als das übliche Touri-Programm. Seine Touren, die er Touristjogging nennt, sind individuell und können während des Laufes auf Zuruf geändert werden. Das Tempo stimmen Dreise und Kollegen auf ihre Kunden ab.
"Sightjogging in Regensburg ist besonders bei Geschäftskunden und Indivdual-Reisenden beliebt", sagt Pia Maria Lexa von der Regensburger Touristik. Platzek ist in diesem Jahr bereits zehn Mal mit Touristen und Einheimischen durch das historische Regensburg gelaufen. "Wir verausgaben uns bei unserer Tour nicht", sagt der Marathoni. Alle zehn Minuten legt er mit seinen Gruppen eine kleine Verschnaufpause ein und erzählt. Während der 10-km-Tour führt Platzek seine Gruppen in Parks und an vielen Denkmälern vorbei. Normale Stadtbesichtiger kommen nicht in diesen Genuss. Für sie ist eine weitaus kleinere Tour vorgesehen.
Im Vergleich zu einer gewöhnlichen Stadtführung biete ein Lauf in den zwei Stunden mehr Zeit, um die Stadt zu entdecken und abgelegene Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Positiver Effekt: Die Besichtigungsläufer halten sich nicht nur fit, sie behalten mehr Informationen als Menschen, die eine gewöhnliche Stadtführung machen. Davon ist Platzek überzeugt. Die erhöhte Sauerstoffzunahme sei dafür verantwortlich. Platzek. "Ich habe beim Laufen die kreativsten Ideen."
Teil 1: Tourismus im Laufschritt










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