Verzweifelt? Eine Lauftherapie hilft (Foto: Denise Hunter / www.sxc.hu)

Lauftherapie

Den Depressionen davonlaufen

Die Tragödie um Robert Enke lenkt den Blick auf das Volksleiden Depression. Wer es schafft, regelmäßig zu laufen, heilt damit psychische Probleme, sagt ein Psychologe – und empfiehlt Joggingprogramme für Depressive.

Laufen ist gesund. Und zwar nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele. "Wer es schafft, regelmäßig zu laufen, heilt damit psychische Probleme", sagt Professor Ulrich Bartmann von der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt. Der Verhaltensforscher bezeichnet sich selbst als regelmäßigen Genussläufer. Aber ihm geht es nicht um Medaillen oder Bestzeiten – Bartmann verfolgt mit seinen Therapiemethoden nur ein Ziel: Er will aus kranken Nicht-Läufern Läufer machen. "Ich will, dass es den Menschen besser geht. Körperlich und seelisch", sagt Bartmann.

Das "Runner's High" als natürliche Medizin für die Seele: Forschern der Universität Bonn und der Technischen Universität München ist es gelungen, dieses Phänomen nachzuweisen. Wer regelmäßig joggt, produziert körpereigene Opioide – die Endorphine. Diese werden auch im Hirn ausgeschüttet und sorgen für gute Laune und unterdrücken sogar Schmerzen. Das Opiat baut Stress ab und mindert Angst.

Patienten, die sich von einem Lauftherapeuten helfen lassen, kommen aus den unterschiedlichsten Gründen: Depressionen, psychosomatische Störungen, Suchterkrankungen sind die häufigsten. Indem sie das Laufen mit Gesprächen verbinden, bilden und stärken Lauftherapeuten das Selbstwertgefühl ihrer Patienten. Ulrich Bartmann bringt seine Patienten zum Laufen und spricht dabei mit ihnen. Vor dem Lauf, während dem Lauf und nach dem Lauf. "Beim Laufen ist die Bereitschaft sehr hoch, sich zu öffnen und über heikle Themen zu sprechen. Es ist eine andere Kommunikationsebene", sagt der Professor. Die Therapieläufe sind in der Geschwindigkeit so dosiert, dass ein Gespräch möglich ist. Mit dem Laufen gibt er seinen Patienten ein Instrument in die Hand, das ihnen Freiräume eröffnet, sagt Bartmann.

Depressive tendieren zur Inaktivität, oft, um Misserfolge zu vermeiden. Wer aber inaktiv ist, kann auch keine Erfolgserlebnisse verbuchen. "Erst wenn die Aktivität – natürlich ganz vorsichtig dosiert – wieder einsetzt, kommen Erfolgserlebnisse und damit Freude zurück. So gesehen halte ich Joggingprogramme bei Depressiven für äußerst wichtig", schreibt Bartmann in seinem Buch "Laufen und Joggen für die Psyche".

Wer Glückshormone will, muss geduldig sein

Ulrich Bartmann bildet auch Lauftherapeuten aus. Krankenpfleger, Erzieher, Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten gehören zu seinen Schülern. Ulf Sengenberger ist einer von ihnen. "Meine Patienten müssen zuerst leiden lernen, um Fortschritte zu sehen", sagt der Pädagoge. Er spricht während dem Lauf mit seinen Patienten, damit sie den Blick nach innen richten. "Für einen kranken Menschen ist es wichtig, dass die Gedanken nicht auf der Couch in Bewegung kommen, sondern im Körper", sagt Sengenberger.

Um die ersehnten Glückshormone zu spüren, braucht es allerdings etwas Geduld. Viele Patienten glauben, mit dem Laufen alle Probleme auf einen Schlag zu lösen. In der Regel können die Patienten aber erst nach rund 20 Tagen die doppelte Strecke wie zu Beginn der Therapie zurücklegen. Ähnliche Erfolge gibt es nur beim Skilanglauf. "Wer nach einer Woche sagt, das bringt mir nichts, ist auf dem falschen Weg", sagt Bartmann.



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